Grusswort aus Schlans
Die Freundschaft zwischen Geroldswil und Schlans geht auf das Jahr 1984 zurück, als eine Lawine die Maiesässe von Schlans verwüstete und bis hinunter zur oberen Dorfgrenze Material verfrachtete. Theo Quinter, der damalige Gemeindepräsident von Geroldswil, ergriff die Initiative zur Patenschaft.
Bis zur Lawine im 1984 galt Schlans als sicherer Ort an beneidenswert sonniger Lage. Mit Schlans assoziierte man Postkarten mit einen Wehrturm neben einer Kapelle, die über dem Dorf hoch über der Talsohle thronten. Historiker kannten das Dorf auch wegen eines ganz aussergewöhnlichen Freskos aus dem 14. Jahrhundert. Am alten Turmgemäuer neben dem Eingang zur Dorfkirche stellt dieses Tätigkeiten dar, die am Sonntag verboten waren. Im Mittelalter hat man zwar das Leben der Gelehrten, Ritter und Adeligen ausgiebig dokumentiert und in Gedichten und Legenden verewigt, doch das gewöhnliche Leben der kleinen Leute hat die damaligen Künstler und Chronisten nicht interessiert. Über den Alltag der gewöhnlichen Menschen des Mittelalters weiss man bis heute erstaunlich wenig. Das Schlanser Fresko mit den Sonntagsschändungen ist eine der ganz raren Darstellungen des Lebens- und der Arbeitsweisen im mittelalterlichen Alltag.
In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist Schlans jedoch durch ganz andere Bilder in die Schlagzeilen geraten. 1987 also schon drei Jahre nach der verheerenden Lawine auf dem Maiensäss richtete eine Rüfe im östlichen Grenztobel des Gemeindegebietes immense Schäden an. Bis auf den Felsgrund wurden in der Val Plaunca Pflanzen, Humus, Kies und Steine ins Tal hinunter gespült. Mittlerweile ist das Tobel vom Tal bis hinauf in die Alpzone durch umfangreiche und solide Betonsperren abgesichert worden und bereits wieder eingewachsen.
Seit über zwei Jahrzehnten konnte die Gemeinde Schlans immer wieder auf die Hilfe ihrer Patengemeinde Geroldswil zählen. Unzählige Stunden haben Helfer aus Geroldswil mit Freiwilligenarbeit in Schlans verbracht. Im September treffen sich jeweils einige Geroldswiler zusammen mit weiteren Freunden unseres Dorfes zu einem Arbeitseinsatz in und für unsere Gemeinde. So manches Projekt in Schlans konnte dank der finanziellen Unterstützung der Patengemeinde realisiert werden. Aus der Patenschaft ist auch der Verein Pro Schlans hervorgegangen.
An dieser Stelle möchte ich es nicht unterlassen, der Gemeinde Geroldswil für Ihre langjährige Treue als Patengemeinde von Schlans zu danken. Es sind bewegte Jahrzehnte. Ohne Patengemeinde, öffentliche Hand und private Gönner hätte Schlans die Auswirkungen der Naturkatastrophen finanziell nie bewältigen können. Dank dem Schutzwald und den Verbauungen fühlen wir uns in Schlans wieder sicher und wir möchten hier weiterhin wohnen. Wir freuen uns auf Besuche aus unserer Patengemeide. Zwischen Schlans und Geroldswil liegen ja nur rund 180 Autokilometer.
Die Region Surselva ist auch ein beliebtes Tourismusgebiet, das insgesamt 44 Gemeinden im Vorderrheintal umfasst. Die Region liegt zwischen dem Quellgebiet des Rheins am Piz Badus und dem Flimser Wald. Ein Besuch der Region und unserer Patengemeinde Schlans lohnt sich alleweil!
Auf Wiedersehen in Schlans! Und sonst - wie gewohnt - bis zum nächsten Weihnachtsmarkt in Geroldswil.
Leo Hug
Gemeindepräsident von Schlans

