Geroldswil Gemeindenachrichten 1/17
59 Zugegeben, ein etwas reisserischer Titel, der bei näherer Betrachtung dennoch sei- ne Berechtigung hat. Es ist nicht gemeint, dass man mit japanischen Kampfkünsten die Bösewichte in ihre Schrankenweisen kann. Es geht darum, so viel Selbstvertrau- en aufzubauen, dass man für seine Werte in jeder Situation einstehen kann. Ein ho- hes Ziel, das viel Zeit und Einsatz benötigt. Der Aufbau beginnt damit, dass man sich die Grundlagen der gewählten Kampfkunst in regelmässigem Training erwirbt. Diese Übungen werden, so wie vom Lehrer vor- gegeben, einzeln geübt. Vielfach besteht das Vorurteil, dass Karatetraining aus wil- dem Aufeinander-Einprügeln besteht. Die- se Vorstellung entspricht nicht den Tatsa- chen. Karate ist eine äusserst technische Kampfkunst, die sich bis ins hohe Alter ausüben und verbessern lässt. In unserem Dojo (Trainingsraum) sind die meisten Teil- nehmerinnen und Teilnehmer zwischen vierzig und sechzig Jahre jung, trainieren regelmässig und entwickeln sich stetig weiter. Das hat nichts mit Draufhauen zu tun. Da werden Prozesse ausgelöst, die bei nachhaltigem Training die Eigenschaf- ten generieren, die uns an den asiatischen Kampfkünsten so fasziniert: Ruhe, eigene Mitte, frei von negativen Gefühlen und das Wissen, dass man sich äusserst effizient verteidigen könnte. Mit dieser Einstellung kann man Gewalt Einhalt gebieten. Selbstvertrauen wichtig Bei Kindern ist es enormwichtig, frühzeitig das Selbstvertrauen aufzubauen. Unsiche- re Kinder können in der Schule, aber auch in der Freizeit ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Sie sind zögerlich und su- chen sich Anführer. Um zu gefallen, unter- nehmen sie Aktionen, die nicht unbedingt mit unserem Verständnis und unseren Wertvorstell ungen korrespondieren. So haben viele Mitläuferkarrieren begonnen. Sport ist ein tolles Mittel, Selbstvertrauen aufzubauen. Leider ist immodernen Sport- betrieb das Messen unter Seinesgleichen sehr selten geworden. Es zählt nur noch der Sieg. Für den Pokal wird alles unter- nommen, vom Mobbing bis zum Doping. Ein Kompliment an alle Eltern, die sich be- mühen, Gegensteuer zu geben. Karate gegen Gewalt Respekt und Souveränität Wie passt jetzt Karate in dieses Bild? Im Training lernt man als Erstes ein paar Grundregeln für soziales Verhalten. Bevor man den Raum betritt, grüsst man das Dojo, ebenso wenn zwei Gegner gegenei- nander antreten. Dieses kleine Ritual för- dert unbewusst Achtsamkeit und Empa- thie. Gerade Kinder sind für solche Regeln offen. Im Kinderkarate geht es nicht da- rum, zurückzuschlagen, sondern darum dass man könnte, wenn man wollte, aber dies nicht nötig hat. Man lernt, sich zu ver- teidigen, sodass einem Angreifer die Lust zu weiteren Aktionen vergeht. Haben die Kinder keine Angst mehr, haben sie auch die Freiheit gewonnen, ihre Leistungen unbehelligt von äusseren Faktoren zu er- bringen. Durch J+S ausgebildete Trainer/-innen Um dieseWertvorstellungen zu vermitteln, braucht es eine fundierte Ausbildung nicht nur im technischen Bereich. Stufenge- rechtes Unterrichten, emotionale Prozes- se verstehen und steuern und vor allem die Trainierenden ernst nehmen und Er- folgserlebnisse vermitteln gehört eben- falls zur Trainertätigkeit. Der schwarze Gürtel sagt wenig aus über die Qualitäten der Trainerperson. Deshalb sind bei uns in der Taidokai Karateschule unsere Trainer/ -innen ausgebildete J+S-Leiter oder -Ex- perten. Wir versuchen mit allen Möglich- keiten, Nachhaltigkeit und Freude an der Bewegung zu vermitteln. Wie sagte die Fussballlegende Johan Cruyff einst: «Um als Trainer erfolgreich zu sein, muss man die Menschen gerne haben.» Pierre Feldmann 6. Dan/J+S-Experte Taidokai Karateschule Gewerbe Pierre Feldmann Taidokai Karateschule
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